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Donnerstag
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Donnerstag, 11.10.2012, Von lebendig machendem Wasser und nächtlichen Überraschungen


Donnerstag, in aller Frühe (ca. 6.30 h) trifft man sie wieder am Strand, jene fünf bis sieben unerschrockenen Meeresliebhaberinnen, die sich bereits vor dem Frühstück in die nassen Fluten des Mittelmeeres stürzen und sich das auch am vorerst letzten Tag in Nachsholim nicht nehmen lassen wollen. Meeresliebhaber sieht man keine, wahrscheinlich ziehen sie die weichen Federn den weichen Wellen vor (sollten sie jedoch noch früher (!) unterwegs gewesen sein, sei hier natürlich sofort Abbitte getan – Zitat aus der Tageslosung: Wasche dein Herz rein von der Bosheit, auf dass dir geholfen werde.)
Zum köstlichen Frühstücksbuffet sind dann alle wieder vereint, denn diesen Genuss will sich natürlich keine/r entgehen lassen. Auch die Vorsichtigen unter uns finden mittlerweile am „süßen“ Tisch das ein oder andere, das sie (fast) schlemmen lässt.
Gut gestärkt brechen wir dann auf und zwar – man höre und staune – nahezu pünktlich, mit allen Koffern und allen (!) zur Zeit Mitreisenden. Es geht mit dem Bus in Richtung Nazareth. Die Verkündigungskirche und die christlichen Stätten am See Genezareth erwarten uns heute. Während der Fahrt wirken die einen noch (oder schon wieder?) etwas müde, während andere die vorbeiziehende Landschaft genießen oder schon eifrig den Reiseführer studieren. Für die nötigen Hintergrundinfos sorgt Dov, unserer neuer Guide, eine schier unerschöpfliche Quelle an Israelwissen, das er uns auf unterhaltsame Weise nahe zu bringen versucht.
Nazareth, eine Stadt voller Menschen, laut, geschäftig, ganz anders als so manche/r von uns es erwartet hatte. Auf dem Weg zur Kirche große Transparente in Arabisch und Englisch: „Allah ist einer, da ist kein anderer Gott als Allah!“ Die Verkündigungskirche ist eine viel besuchte Stätte, was sich wie immer auch an der Toilettenanlage der Frauen zeigt und die Geduld einzelner Wartender auf eine besondere Probe stellt (Zitat aus der Tageslosung: Wie lange wollen bei dir bleiben deine heillosen Gedanken?). Die Kommentare über die Marienbilder reichen von beeindruckend, über niedlich, bis „geht gar nicht. Beeindruckt sind wohl fast alle von uns von den Fenstern und dem Licht in der Kirche. Unsere Meinungen über die Kirche selbst sind unterschiedlich. In Andacht und Wirkung gibt es kein eindeutiges Urteil. Manche können/möchten alles fotografieren (siehe Kommentar zur Toilettenanlage), andere finden stille, beeindruckende Einkehr, wieder andere versuchen ihr Empfinden für den Ort im Rummel nicht zu verlieren. Von der Verkündigungskirche machen wir  einen kurzen Abstecher zur Josefskirche, erbaut über einer Höhle, an deren Stelle die Werkstatt Josefs gelegen haben soll.
Weiter geht es. Bei einer kleinen Mittagspause an einem Imbiss versorgen wir uns und haben prompt den Eindruck den Imbiss gekauft zu haben … .
Wir erreichen Tabgha am See Genezareth mit der Brotvermehrungskirche, die an die Brotvermehrung durch Jesus erinnert (Mt 6,31ff oder auch Mk 8,1-4). In ihrem Innenhof ein Kreuzgang mit Toren zu allen Seiten. Die Gestaltung greift auf einen Text  aus dem AT zurück. Im Inneren der Kirche finden sich verschiedene Mosaiken u.a. mit dem Motiv der Fische und Brotkörbe. Im Souvenirshop erleben einige von uns die wundersame Postkartenvermehrung von Hildegard mit, die auf einem (vielleicht zu unbedarft?) gegebenem Versprechen aus vorangehenden Schultagen fußt.
Ein kurzer Fußweg bringt uns zur Peterskirche (Joh 21,15 ff) und wir erleben lebendig machendes Wasser. Weniger die Kirche als mehr der See Genezareth mit seiner kleinen Bucht nimmt uns in seinen Bann. Gesichter und Hände werden benetzt, Schuhe und Socken bleiben zurück und Füße dürfen einen Ausflug ins Wasser wagen (von Versuchen darüber zu laufen wird nichts berichtet). Ansteckende Fröhlichkeit, stilles Staunen, besonderes Durchatmen, gefangen genommen von Ort und Moment. – Bei der Weiterfahrt müsste unser Bus eigentlich etwas tiefer liegen, denn nicht wenige konnten nicht davon lassen sich einen Kiesel zur Erinnerung einzustecken.
Zurück im Bus geht es über Migdal (den Wohnort von Maria von Magdala), das wir nur durchfahren, nach Kapernaum zur weißen Synagoge und zum Haus des Petrus. Die heiligen Stätten zeigen bereits Wirkung, zumindest wird die Tagesprotokollantin im Bus Zeugin eines Spontanheilungsversuchs von Manuela an Kerstin (über den Erfolg ist leider nichts bekannt).
An den Ausgrabungsstätten begeistert uns Dov wieder mit seinen umfassenden Kenntnissen, die alle wiederzugeben den Rahmen hier sprengen würde.
Von Kapernaum machen wir uns außerplanmäßig auf den Weg zum Berg der Seligpreisungen – selig sind wir hinterher, dass Jan und Dov so entschieden haben. Denn auch hier nimmt uns wieder insbesondere der Ort mit seiner Atmosphäre gefangen. Der Blick schweift über die Hänge, unter uns liegt der See, ein leichter Wind kommt auf, Ruhe kehrt ein, trotz der vielen Menschen umher. Wir hören auf den Text der Seligpreisungen. Später am Abend werden wir miteinander feststellen, dass wir hier gerne noch länger verweilt hätte.
Auf dem Heimweg zum Kibbuz Shaar HaGolan, unserem heutigen Übernachtungsort halten wir spontan noch am Jordan. Dort treffen wir auf eine Gruppe orthodoxer Juden, die dort angeln. Ob wir so weisungsbedürftig aussahen – ich weiß es nicht – jedenfalls läuft plötzlich einer der jungen Männer los und holt einen Stapel hebräischer Hefte und diesmal wird insbesondere Hildegard beschenkt, die noch immer grübelt, ob er meinte, dass sie es besonders nötig hätte. Nötig haben wir auf jeden Fall noch einen Stopp am Supermarkt, um die Vorräte für den gemütlichen Teil des Abends aufzufüllen, Hier muss ein kleiner Extrabeifall und Dankeschön für unseren Busfahrer Said eingefügt werden, der uns nicht nur sicher und ruhig über jede noch so kurvige Straße gefahren hat, sondern auch faszinierende Ein – und Ausparkkünste mit dem Reisebus auf den Parkplätzen beweist.
Nach Ankunft im Kibbuz klingt der Abend mit Schwimmbad, Abendessen, Tagesschlussrunde und gemütlichem Beisammensein aus. Jede Menge Erinnerungen und Eindrücke werden ausgetauscht, kleinere Sticheleien fliegen hin und her und erheitern die Runde. Große Begeisterung löst die Ankunft von Claudia aus. Endlich sind wir vollständig Wir sind alle froh, dass sie gut und wohlbehalten bei uns angekommen ist und freuen uns, dass sie nun doch mit uns weiterreisen kann. Nachdem die ersten schon in die Federn gekrabbelt sind, wird die ganze Runde noch einmal aufgeschreckt: Feueralarm !!! Ohrenbetäubende Sirenentönen erfüllen die Runde, die ersten Schlafanzugtiger  tauchen wieder auf, ein Expertenteam wird losgeschickt, Anrufe geschaltet … . Es klärt sich alles und der Übeltäter aus der benachbarten Schülergruppe wird gestellt und entschlüsselt alles als einen Deoangriff auf den Rauchmelder. Auf den Schrecken müssen alle erst noch einen Schluck Wein trinken. Die Tagesprotokollantin muss sich zum Schreiben zurückziehen und über dem Rest des Abends liegt Schweigen … J

Iris